Der Blog zum Projekt!


04.01.2020
(Zweiter Eintrag)

Herzlich Willkommen im neuen Jahr...

Mit einer Rückblende in die aufregende (Vor)Weihnachtszeit …

… nicht nur für die mittlerweile über 30 Kids und Teenager, die in unserem Projekt „1001 Nacht – Erzähl mir doch keine Märchen!“ mitwirken, sondern auch für unser Team und mich. Unsere frisch gebackenen Mini-Theater-Ensembles in Barth, Bergen und Grünhufe standen kurz vor Weihnachten zum ersten Mal auf der Bühne. Voller Stolz schreibe ich heute den zweiten Blog-Eintrag, in dem ich von unseren Aufführungen erzählen möchte.

BARTH

Im November fuhren wir sogar dienstags und mittwochs nach Barth, um mit beiden Gruppen proben zu können. Sonst treffen wir nur eine Gruppe pro Woche und wechseln ab. Aber es blieb so wenig Zeit, denn die Aufführung sollte schon am 04. Dezember 2019 zur Weihnachtsfeier des Hortes „Villa Kunterbunt“ in Barth stattfinden. Also arbeiteten wir an einem Tag mit der größeren Gruppe (3. Klasse) an der „Weihnachts-Konferenz“ und an dem anderen Tag mit der Kleineren (2. Klasse) am „Weihnachts-Battle“.

In der „Weihnachts-Konferenz“ treffen sich Weihnachtsmann, Väterchen Frost, Schneeflöckchen, das Christkind, die Hexe Befana, die Heilige Lucia, Caspar von den Heiligen Drei Königen und Fanus Ramadan. Sie alle sollen sich auf nur eine Symbolfigur, einen Brauch und ein Datum zur Weihnachts- und Festtagszeit einigen. Alle Figuren erzählen, wer sie sind, welche Traditionen sie verkörpern, was sie bedeuten, wann sie erscheinen und was sie tun. Fanus Ramadan (die Ramadan Laterne) ist eine Rolle, die wir in das Stück hineingeschrieben haben, da Weihnachten in den Ländern, in der der Islam die wichtigste Religion ist, nicht gefeiert wird. Ramadan ist ein Fastenmonat. In einigen Regionen leuchtet eine bunte orientalische Laterne während der 29 Tage in den Fenstern. Das Zuckerfest am Ende ähnelt dem christlichen Weihnachtsfest. Die Familien kommen zusammen, setzen sich an reich gedeckte Tische und beschenken die Kinder.

Der Weihnachtsmann, rot gekleidet, kommt an Heilig Abend, Väterchen Frost in Blau kommt zusammen mit seiner Enkelin Schneeflöckchen in Russland an Silvester, die Heilige Lucia zieht mit Lichterkrone und Chor schon am 13. Dezember singend durch Schwedens Straßen und die Hexe Befana saust auf ihrem Besen erst am 06. Januar durch ganz Italien. Ramadan orientiert sich am Mondkalender und kann somit auch im Frühjahr stattfinden.
Alle Figuren nehmen sich selbst, ihre Kultur und Tradition sehr wichtig. Der Weihnachtsmann ist überzeugt, dass er derjenige sei, auf den sich alle einigen müssten, denn er ist am weitesten verbreitet und „schon total globalisiert“. Sie diskutieren, hinterfragen einander, streiten und schimpfen – doch nur, um am Ende festzustellen, dass sie alle das Gleiche tun. Sie bringen Licht, Hoffnung und Geschenke. Sie stehen für Liebe und Achtung, sie helfen den Menschen dabei, wenigstens für eine kurze Zeit inne zu halten, sich zu besinnen und nicht zuletzt, gut zu essen, zu verschnaufen und dem Alltag zu entfliehen. Am Ende einigen sich alle darauf, „doch bitteschön alles genau so zu belassen“.

Für Anna (Fanus Ramadan), Pia (Väterchen Frost), Malak (Schneeflöckchen), Ayat (Hexe Befana), Lennis (Weihnachtsmann), Jessica (Caspar), Helene (Christkind) und Mia (Heilige Lucia) war dieses Theaterstück eine riesige Herausforderung. Sie mussten in kurzer Zeit ihre Texte lernen, die umfangreich und nicht ganz einfach waren. Einige schwierige Passagen transformierten wir und ließen sie vom „Erzähler“ vorlesen.

Pia kam erst vierzehn Tage vor der Aufführung in die Gruppe und übernahm trotzdem spontan die Rolle des Väterchen Frost. Anna als Fanus Ramadan brauchte viel Geduld, denn sie „schaltete“ sich erst sehr spät in die Diskussion der anderen ein. Sie spielte ihre Figur, entlehnt aus einem ihr fremden Kulturkreis, mit so viel Leichtigkeit, dass es Spaß machte, ihr zu zusehen und zu zuhören.

Auch Jessica beeindruckte mit ihrem Auftritt als Caspar ganz am Ende des Stückes. Als sie in einer Probe ihren Abgang verpasste, gefiel uns das so gut, dass wir es dann auch in der Aufführung so umsetzten. Lennis, der Weihnachtsmann, ließ die Gruppe nicht im Stich, obwohl er gerade im Dezember ganz viel um die Ohren hatte. Malak aus Tschetschenien erwies sich als wundervolle Regieassistentin, die ihren Text als Hexe Befana schon sehr früh sicher beherrschte und alle anderen während der Proben und auch während der Aufführung unterstützte.

Ayat aus Syrien spielte das Schneeflöckchen, eine Figur, die sie bis dahin nur aus dem Kinderlied kannte. Am Ende sagte sie zu mir „Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe!“ Und wie sie es geschafft hat – sie und alle anderen auch.

Vor 200 Kindern in einer alten Turnhalle aufzutreten, ohne jede Theatererfahrung, ist mehr als nur mutig. Alle acht Darsteller spielten voller Freude und mit großer Leidenschaft. Was mich am meisten beeindruckte: auch wenn einige ab und zu mal einen Texthänger hatten, ließen sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Ich durfte die Erzählerin und die Souffleuse sein und nach jedem Zugeflüster, spielten sie souverän weiter. Ich habe schon Kinder erlebt, die dann aufgegeben hatten. Nicht die kleine Barther Gruppe. Sie kann sehr, sehr stolz auf sich sein. Wir sind es. Der starke Applaus von 200 Kindern und das Lob der Erzieherinnen belohnte sie für all die Anstrengungen in den Wochen zuvor.

Nach ihnen trat die „Rote Zipfelmützen-Gang aus Barth und Umgebung I“ gegen die „Rote Zipfelmützen-Gang aus Barth und Umgebung II“ mit Weihnachtsliedern und Gedichten gegeneinander an. Nur das nicht alle Strophen und Verse dem Originaltext entsprachen. Einige waren auf lustige Weise umgedichtet oder sagen wir: zeitgemäß interpretiert.

Wie die Boxer in den Ring, so stiegen Ole, Kira, Sanne und Maike als Gang I und Kenneth, Lia, Stella, Sarah und Christina als Gang II auf die Bühne. Sie provozierten sich gegenseitig, überboten sich in ihren Darbietungen, versuchten, das Publikum für sich zu gewinnen – ganz so, wie es in einem richtigen Weihnachts-Battle sein muss. Man konnte die Anspannung fühlen, das Knistern zwischen den beiden Gangs fast hören.

Moderator Ben ließ sich davon nur manchmal etwas irritieren. Meistens aber sorgte er mit eindrucksvollen Ansagen und Kommentaren für Ausgeglichenheit unter den kleinen Wettkämpfern. Am Ende gab es natürlich ein Unentschieden! Alle hatten es super gemacht, das sahen auch die 200 jungen Zuschauer so.

Nie hätte ich gedacht, dass so viele Kinder im Grundschulalter so still sein können. Noch sind die Stimmen unserer beiden Theatergruppen nicht genug ausgebildet, sich lautstark gegen ein unruhiges, vielleicht quasselndes Publikum durchzusetzen. Aber das war gar nicht nötig. Als hätten die Hortkinder in Barth instinktiv erkannt, wie viel Bedeutung der Auftritt für ihre Kameraden hatte. Sie schienen deren Tapferkeit und Leistung mit Aufmerksamkeit  zu würdigen. Für uns war das eine ganz wunderbare Erfahrung. Im Anschluss gab es noch eine riesige Zipfelmützen-Party.

GRÜNHUFE

Unsere Theatergruppe im Nachbarschaftszentrum Grünhufe trat am16. Dezember 2019 auf. An diesem Nachmittag übergaben das Kreisdiakonische Werk und seine Unterstützer Weihnachtsgeschenke an bedürftige Kinder. Ein guter Anlass für uns, die Gäste mit einem kleinen Theaterstück zu erfreuen.

Wir wählten „Der einsame Förster“. Gespielt vom elfjährigen Suheib, verliert er in einer eiskalten Winternacht tief im verschneiten Wald seinen Handschuh. Den finden die Tiere, machen es sich darin gemütlich und wärmen sich auf. Als erste entdeckt den kuschligen Handschuh die kleine Waldmaus (Fatima I), dann der Igel (Lana), das Eichhörnchen (Amal), der Hase (Nour I), die Eule (Fatima II), der Honigdachs (Suad), das Reh (Lama), der schlaue Fuchs (Mohammed) und der Bär (Nour II).

Als der Förster bemerkt, dass er seinen Handschuh verloren hat, macht er sich auf die Suche nach ihm. Er staunt als er ihn riesig groß und prall – bevölkert mit den unterschiedlichsten Tieren des Waldes – wiederfindet. Zunächst ist er verärgert, doch dann erkennt er die Not der Tiere und lädt sie alle zu sich nach Hause an den Kamin ein. Sie müssen nicht mehr frieren und der Förster nicht mehr einsam sein.

Alle unsere Darsteller im Alter von 7 – 12  stammen aus Syrien. Wie schon im ersten Blog-Eintrag erzählt, ist diese Gruppe nicht ganz einfach. Manchmal gibt es Probleme, weil sich die Kinder untereinander noch nicht so gut verstehen. Sie ärgern und provozieren sich oft gegenseitig. Nur ganz langsam und mit viel Geduld können Carolin und ich die kleine Theatergruppe zusammenschweißen. Wir versuchen ihnen zu vermitteln, einander zu zuhören und zu respektieren. Auch ist die Gruppe noch nicht wirklich stabil. Es kommen immer mal wieder Neue dazu, die aber nicht bleiben, andere erscheinen nur ab und zu. Doch unser kleiner „harter Kern“ hält sich tapfer. Fatima I, ihr Bruder Mohammed und ihre Schwester Lana, Subheib und seine Schwester Lama, die beiden Nours – sie haben großen Spaß daran, Theater zu spielen, erkennen den Charakter des Theaterprojektes und sein Potential.

Wir fürchteten schon, dass nicht alle zur Aufführung kommen würden oder ihren Text nicht gelernt hätten. Tatsächlich aber kamen alle und sogar pünktlich. Wir waren sehr glücklich. Keiner hatte einen Texthänger, alle spielten leidenschaftlich das Stück. Den Applaus hatten sie wirklich verdient. Carolin und mich motivierte der erste Auftritt der Grünhufer Gruppe sehr. Wir glauben an sie und werden weiter darum kämpfen, dass aus dieser kleinen Chaos-Truppe, mutige junge Schauspieler und vor allem richtige Freunde werden.

BERGEN

Beinahe zeitgleich fand auch in Bergen die Aufführung am 16. Dezember statt. Die Malteser luden die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft am Markt zu einem Adventsnachmittag mit Kaffee, Kuchen und Plätzchen ein. Unter den Zuschauern saßen also auch die Eltern der Darsteller.

Unsere Gruppe in Bergen ist seit dem ersten Treffen im August konstant dabei und hat sich erstaunlich weit entwickelt. Auch mit ihnen inszenierten wir „Die Weihnachts-Konferenz“ wie in Barth. Milena aus Armenien spielte das Schneeflöckchen, ihr Bruder Ogannes den Weihnachtsmann, Silvi das Christkind, Rayana die Hexe Befana – beide stammen aus Tschetschenien, Timo aus der Ukraine das Väterchen Frost.

Neu dazu gewonnen haben wir Raman aus Syrien. Der zehnjährige wollte natürlich unbedingt die Rolle der Fanus Ramadan annehmen und spielte eine ziemlich coole Laterne.

Weil uns eine Darstellerin für die Heilige Lucia fehlte, übernahm unsere Kollegin, Claudia Bieber, die Rolle. Trotz des Stresses rund um das STiC-er Weihnachtsmärchen, das sie inszeniert und viele Aufführungen zu absolvieren hatte, stand sie unserer Bergener Gruppe zur Seite. Ebenso Kai, der in der Aufführung als Erzähler und Moderator die „Weihnachts-Konferenz“ begleitete.

Begeistert waren wir von Ogannes. Der 14 jährige erschien uns in den Kursen und Proben manchmal lustlos, vielleicht auch unterfordert und noch nicht bereit, seine Hemmungen in den theaterpädagogischen Übungen und Spielen fallen zu lassen. Doch in der letzten Durchlaufprobe und dann in der Aufführung erkannten wir ihn fast nicht wieder. Nicht nur, dass er seinen umfangreichen Text drauf hatte, er spielte den Weihnachtsmann mimisch und gestisch sehr ausdrucksstark. Plötzlich stand dort ein sehr talentierter junger Mann, dem Theater spielen offensichtlich sehr viel Spaß macht. Auch seine Schwester Milena spielte das  Schneeflöckchen sehr überzeugend.

Timo fehlte bei den letzten beiden Proben vor der Aufführung. Sicherheitshalber lernte Kai deshalb die Rolle des Väterchen Frost, um ihn notfalls vertreten zu können. Doch dann erschien der 13 jährige zur Aufführung und scheute sich nicht mitzuspielen, obwohl er seinen Text nicht konnte. Er schnitt sich kurzerhand seine Passagen aus dem Stück heraus und las sie während der Aufführung ab. Auf der einen Seite waren wir deswegen enttäuscht, auf der anderen Seite aber auch überrascht und irgendwie auch angetan von seinem Mut und der Entschlossenheit, die Gruppe trotzdem nicht im Stich zu lassen.

Silvi, unsere kleine Quasselstrippe und Jüngste in der Gruppe, war sehr aufgeregt, genoss ihren Auftritt als Christkind dennoch und machte fast alles richtig. Und auch Rayana als italienische Hexe Befana spielte ihre Rolle trotz großer Nervosität super.

Die Aufführung der Bergener Theatergruppe war nicht nur für uns ein großes Vergnügen, sondern auch für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft und die Mitarbeiter der Malteser.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herzlich und voller Stolz bei allen jungen Darstellern in den Theatergruppen in Barth, Bergen und Grünhufe bedanken. Ebenso bei den Mitarbeitern des Hortes, des Nachbarschaftszentrums und der Flüchtlingsunterkunft. Sie haben die Aufführungen ermöglicht und uns und die Kinder sehr unterstützt.

Jetzt freuen wir uns auf die nächsten Kurse mit den „1001 Nacht“ –  Theatergruppen. Wir haben sie während der Weihnachtsfeiertage schon ein bisschen vermisst und sind sehr gespannt, ob nach diesen Herausforderungen alle zurückkehren, oder ob sich einige entschieden haben, ihre Gruppe zu verlassen. Wir hoffen, wir sehen sie alle wieder!

Danke fürs Lesen und Schauen. Bis bald.

Mandy

12.10.2019
(Erster Eintrag)

Hallo liebe Eltern, Kids, Teenies & Youths, Freunde, Förderer & Neugierige.

Die ersten zwei Monate seit dem Beginn unseres neuen STiC-er Theaterprojektes „1001 NACHT“ sind vergangen. Mein Name ist Mandy Lehm und zusammen mit Carolin Gierer, Claudia Bieber, Kai P. Mücke und Stefan Pisch aus unserem Theater- und Medienpädagogen-Team darf ich dieses spannende Projekt entwickeln und begleiten.
Auf diesen Seiten unserer Homepage möchte ich Euch regelmäßig vom Werdegang unseres Projektes erzählen, Euch teilhaben lassen an allem, was wir mit den Kindern und Jugendlichen in unseren Theatergruppen erleben und Euch vielleicht ein bisschen anstecken und mitfiebern lassen.
Uns war von Anfang an bewusst, was für eine große Aufgabe es sein würde, vier Theatergruppen in Stralsund und Umgebung aufzubauen. Aber wir haben es schon fast geschafft und sind total glücklich darüber.
Ursprünglich wollten wir Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren für unser Projekt begeistern. Schnell merkten wir, dass viele Jüngere große Lust haben, auf der Bühne zu stehen. Also setzten wir die Altersgrenze nach unten. Auch wenn die Herausforderung für uns dadurch wächst 😉

Jeden Dienstag fahren wir nach Barth in die Villa „Kunterbunt“. Dank des großen Engagements der Erzieherinnen, arbeiten wir dort sogar mit zwei Gruppen in wöchentlichem Wechsel. In der einen versammeln sich elf Theaterspielfreudige aus den zweiten Klassen und in der anderen Gruppe neun aus den dritten Klassen, darunter auch Kinder aus Syrien und Tschetschenien. Die meisten von ihnen waren schon mal in einem Theater, haben aber keine Erfahrungen, wie es ist, selbst auf der Bühne zu stehen. Sie sind sehr gespannt darauf. Jede Woche erleben wir die beiden Hort-Gruppen voller Enthusiasmus bei allen Ausdrucksfähigkeits-, Konzentrations- und Vertrauensübungen. Am meisten Spaß macht ihnen das Improvisieren kleiner Szenen, das In-verschiedene-Rollen schlüpfen und so tun als ob…
Mittwochs gehen wir nach Stralsund – Grünhufe ins Nachbarschaftszentrum des Kreisdiakonischen Werkes.

Ich bin froh, auch hier unsere leitende Theaterpädagogin, Carolin Gierer an meiner Seite zu haben, denn sie hat viel Erfahrung mit Kindern von Geflüchteten. Seit über drei Jahren gibt sie Theaterkurse im Flüchtlingsheim auf dem Dänholm. Der Anfang in Grünhufe ist schwieriger als in Barth und braucht etwas mehr Zeit. „1001 Nacht“ soll ein zwangloses Projekt sein. Für einige Kinder und ihre Eltern ist es nicht einfach zu realisieren, dass sich das Potential einer Theatergruppe erst entfalten kann, wenn sie sich regelmäßig trifft, um zu spielen und zu proben. Zumal viele von ihnen bisher noch nie mit dem Theater in Berührung gekommen sind.

Umso mehr freuen wir uns über fünf bis neun Kinder zwischen 7 und 12 Jahren, die schon beinahe regelmäßig kommen. Den kleinen „harten Kern“ bilden Fatima, ihr Bruder Mohammed und Benny. Benny kommt aus Stralsund. Die meisten anderen stammen aus Syrien. Wir würden uns freuen, in Grünhufe noch mehr deutsche Kinder für unser Theaterprojekt gewinnen zu können und hoffen, dass die Mischung aus Einheimischen und Zugewanderten bald ausgeglichen sein wird.

Nach Bergen auf Rügen in die Gemeinschaftsunterkunft der Malteser geht es immer donnerstags. Kai P. Mücke und ich freuen uns jedes Mal, wenn die kleine Theatergruppe schon draußen vor der Tür nach uns Ausschau hält. Bisher nehmen fünf Kinder aus der Gemeinschaftsunterkunft am Markt in Bergen teil.

Silvi, Milena und Ogannes aus Armenien, Rayana aus Tschetschenien und Timo aus der Ukraine waren von unserer ersten Begegnung an dabei. Man könnte fast schon sagen, es ist die disziplinierteste Gruppe, obwohl ich dieses Wort und seine Bedeutung gar nicht so sehr mag. Die beiden Jungs Timo und Ogannes sind 13 und 14 Jahre alt und noch etwas zurückhaltend. Aber wir sehen schon jetzt, wie viel in ihnen steckt. Silvi, mit 10 Jahren die Jüngste in dieser Gruppe, würde die ganze Zeit über ohne Punkt und Komma, sogar ohne zu atmen plappern, wenn wir sie nicht immer wieder aufhalten würden. Sie ist unsere kleine große Geschichtenerzählerin.

Gerade arbeiten wir mit allen Gruppen in Bergen, Grünhufe und Barth an einem Theaterstück zu Weihnachten. Es heißt „Die Weihnachts-Konferenz“. Die kulturell verschiedenen Symbolfiguren der Weihnachts- und Festzeit sind zu einer Globalisierungskonferenz eingeladen. Es geht darum, dass sie sich weltweit auf nur eine einzige Symbolfigur, einen einzigen Brauch und ein einziges Datum einigen sollen. Der Streit zwischen dem Weihnachtsmann, Väterchen Frost und Schneeflöckchen, der Ramadan-Laterne, dem Christkind, der heiligen Lucia und der Hexe Befana ist vorprogrammiert. Wie wird er ausgehen? Zu welchem Ergebnis werden die Konferenzteilnehmer kommen?

Unsere Traumvorstellung ist es, die Geschichte von den Gruppen vor ihren Eltern und Erziehern, Mitarbeitern und interessierten Menschen in der Weihnachtszeit aufführen zu können. Für die jungen Darsteller soll es der erste Auftritt und damit das erste Highlight im dreijährigen Verlauf unseres Theaterprojektes sein. Wir werden alles geben, damit es uns gelingt, das Stück noch rechtzeitig in allen Gruppen zu inszenieren. Die Motivation ist groß. Einige der Kinder lesen schon erstaunlich gut, andere brauchen etwas mehr Zeit. Aber die Spielfreude ist bei allen gleichermaßen geweckt, was uns als Theaterpädagogen stolz macht und viel mehr bedeutet als eine fertige Inszenierung.

In der vierten Theatergruppe in dem Projekt „1001 NACHT“ arbeiten wir mit Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren im STiC-er hier in Stralsund. In dieser Gruppe suchen wir noch weitere theaterbegeisterte Teilnehmer. Über jede Art Unterstützung bei der Recherche und Akquise von Jugendlichen für unser Projekt freuen wir uns sehr.

Bis bald – zum nächsten Blog-Eintrag.

Mandy