Frühlings Erwachen

„Eure Gebote gelten für Unmündige;
ich trage mein Freibillet in mir.
Sinkt die Schale, dann flattert der Falter davon;
das Trugbild geniert nicht mehr.
– Ihr solltet kein tolles Spiel
mit dem Schwindel treiben!
Der Nebel zerrinnt;
das Leben ist Geschmacksache.“

Frank Wedekinds Drama wurde erst 15 Jahre nach seinem Erscheinen in zensierter Form aufgeführt. Seine Kritik an der scheinheiligen Moral der Gesellschaft wollte seinerzeit niemand wahrhaben. Werte statt Dialog – bei Wedekind zerbrechen die Jugendlichen an den strengen Normen, die sie durch’s Leben führen sollen. Ihre ungestüme Suche nach dem Ich überfordert eine ich-bezogene Gesellschaft, die nicht bereit ist, mit den Jugendlichen das Gespräch zu suchen.

Regie: Eva Gruner

Premiere: 11.06.2001

Die Räuber

Maximilian, der regierende Graf von Moor, hat zwei Söhne, die nicht unterschiedlicher sein können. Karl, ein sprühender Geist, ein heller Kopf.

Als Kontrast steht ihm sein Bruder Franz – einerseits voller Verbitterung und Neid auf den, vom Vater und der jungen Amalia geliebten, Karl; andererseits ein charismatischer Redner, der geborene Politiker, mit uneingeschränktem Willen zur alleinigen Macht – gegenüber. Während Karl in Leipzig ein wildes Studentenleben führt, erreicht Franz durch gefälschte Briefe über ein angebliches Verbrecherleben Karls, die Verbannung und Enterbung des verhassten Bruders durch den alten, verstörten Vater. Karl wird aus beleidigter Ehre Räuber, die Privaterbitterung gegen einen „unzärtlichen Vater“ lässt ihn öffentlich tätig werden und für eine Republik kämpfen „gegen die Rom und Sparta Nonnenklöster sein werden“.

Das Stück wird zu einem Experiment der Auflehnung gegen eine Ordnung, für die niemand sich mehr verantwortlich zeichnet. Der Kampf, der zu nichts mehr führt, wird zur Pose, an der manieristisch gefeilt wird.

Die rebellierenden Brüder können ihre Auflehnung nicht mehr fokussieren und tendieren zum Rundumschlag. Franz wird böser Nimmersatt:

„Ich will alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt, dass ich nicht Herr bin“,

und Karl wird Meister der Auslöschung:

„Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr, und Blut und Tod soll mich vergessen lehren, dass mir jemals etwas teuer war!“.

Ein skrupelloser Bösewicht und ein gnadenloser Rächer. Doch nicht die historische Deutungsmacht, sondern die Spannung zwischen zwei konträren Lebensentwürfen macht diesen Bühnentext zum zeitlosen Exempel. Es geht hier um Aufbruch, Ambitionen und Alternativen. Ein saftiger Schuss von Wut und Sehnsucht wird versprüht, wenn von Politikverdrossenheit und Egoismus gesprochen wird.

Das Stück wird zu einer Mischung – indem die Räuber Pulp Fiction auf die Bühne bringen und die beklemmende Atmosphäre einer Gesellschaft, die sich auf einer unentrinnbaren Gewaltspirale dreht.

Regie: Jana Deters-Gonseth

Premiere: 15.05.2001

Projekt „Freibeuter.tv“

Das Projekt „Freibeuter.tv“ (im Ursprung ein Jugendmagazin für Regionalsender sowie „Offene Kanäle“) – nun vielmehr eine Medienplattform für junge Menschen in Nordvorpommern – wurde erstmals 2001 / 02 – 2004 unter dem Dach des STiC-er Theater e.V. Stralsund durchgeführt.

Durch dieses Projekt entwickelte sich eine kreative Medienwerkstatt wo neben kleineren Beträgen und Interviews auch Kurzfilme, Dokumentationen, Trailer, Theaterstück- und Konzertmitschnitte entstehen.

Medienpädagogen als auch aktive Filmemacher entwickeln mit Jugendlichen und Laien unterschiedlichster Herkunft verschiedenste Medienprojekte für „Offene Kanäle“ / Regionalsender, Festivals und bei besonders ambitionierten Projektergebnissen auch für das Fernsehen.

Pension Schöller

Berlin um die Jahrhundertwende: Der Gutsbesitzer Philipp Klapproth ist zu Besuch in der Hauptstadt und möchte dort vor der Heimreise noch etwas erleben, mit dem er später am Stammtisch Eindruck schinden kann.

Aus diesem Grunde hat er sich in den Kopf gesetzt, eine Heilanstalt für Geisteskranke zu besuchen, und drängt nun seinen Neffen Alfred, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Doch der führt – angestachelt von seinem Freund Kissling – den Onkel nicht in eine Heilanstalt, sondern zum Gesellschaftsabend in die Pension Schöller. Die Sonderlichkeiten der dort wohnenden Gäste lassen Klapproth keinen Verdacht schöpfen. Ganz im Gegenteil: Schon nach kurzer Zeit fühlt er sich überhaupt nicht mehr wohl in seiner Haut.

Regie: Jana Deters-Gonseth

Premiere: 15.04.2001

Fisch zu Viert

Theaterstück um drei Damen und ihren Diener.

Die märkische Provinz im 19. Jahrhundert:
Drei Schwestern, nicht mehr die jüngsten, fahren mit ihrem Diener in die Sommerfrische. Doch die Idylle trügt. Der Diener, zermürbt von der langjährigen Arbeit, will den Dienst
quittieren und mit einer Abfindung eine Weltreise antreten. Das versprochene
Geld wird ihm jedoch verweigert und so droht der Diener mit der Enthüllung pikanter Geheimnisse…

Regie: Thilo Klang

Premiere: 29.03.2001