Die Räuber

Maximilian, der regierende Graf von Moor, hat zwei Söhne, die nicht unterschiedlicher sein können. Karl, ein sprühender Geist, ein heller Kopf.

Als Kontrast steht ihm sein Bruder Franz – einerseits voller Verbitterung und Neid auf den, vom Vater und der jungen Amalia geliebten, Karl; andererseits ein charismatischer Redner, der geborene Politiker, mit uneingeschränktem Willen zur alleinigen Macht – gegenüber. Während Karl in Leipzig ein wildes Studentenleben führt, erreicht Franz durch gefälschte Briefe über ein angebliches Verbrecherleben Karls, die Verbannung und Enterbung des verhassten Bruders durch den alten, verstörten Vater. Karl wird aus beleidigter Ehre Räuber, die Privaterbitterung gegen einen „unzärtlichen Vater“ lässt ihn öffentlich tätig werden und für eine Republik kämpfen „gegen die Rom und Sparta Nonnenklöster sein werden“.

Das Stück wird zu einem Experiment der Auflehnung gegen eine Ordnung, für die niemand sich mehr verantwortlich zeichnet. Der Kampf, der zu nichts mehr führt, wird zur Pose, an der manieristisch gefeilt wird.

Die rebellierenden Brüder können ihre Auflehnung nicht mehr fokussieren und tendieren zum Rundumschlag. Franz wird böser Nimmersatt:

„Ich will alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt, dass ich nicht Herr bin“,

und Karl wird Meister der Auslöschung:

„Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr, und Blut und Tod soll mich vergessen lehren, dass mir jemals etwas teuer war!“.

Ein skrupelloser Bösewicht und ein gnadenloser Rächer. Doch nicht die historische Deutungsmacht, sondern die Spannung zwischen zwei konträren Lebensentwürfen macht diesen Bühnentext zum zeitlosen Exempel. Es geht hier um Aufbruch, Ambitionen und Alternativen. Ein saftiger Schuss von Wut und Sehnsucht wird versprüht, wenn von Politikverdrossenheit und Egoismus gesprochen wird.

Das Stück wird zu einer Mischung – indem die Räuber Pulp Fiction auf die Bühne bringen und die beklemmende Atmosphäre einer Gesellschaft, die sich auf einer unentrinnbaren Gewaltspirale dreht.

Regie: Jana Deters-Gonseth

Premiere: 15.05.2001

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.