"1001 NACHT"

ERZÄHL MIR DOCH KEINE MÄRCHEN!!!

DIE INSZENIERUNG

Nach mehr als drei Jahren ist es soweit: Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund aus Stralsund und dem Landkreis Vorpommern-Rügen stellen ihr Theaterprojekt vor. Sie entwickelten gemeinsam mit dem STiC-er Theater Team kleine Stücke, deren großer Kontext das Thema Flucht ist. Krieg und Verfolgung, Armut und Diskriminierung, Leistungsdruck und Verantwortung, zu hohe Erwartungen, Mobbing oder das Hamsterrad des Alltags – der Impuls zu fliehen, ist ganz individuell und vielschichtig und in den persönlichen Geschichten jedes Einzelnen dramatisch.

Angelehnt an „1001 Nacht“ oder besser an Prinzessin Scheherazade, die Märchen erzählt, um zu überleben, so erzählen auch die Figuren in der Inszenierung Geschichten. Manchmal weit über das eigentlich Gefragte hinaus, vielleicht auch als Lüge getarnt, als Stimme im Kopf, oder versinnbildlicht, was tatsächlich erlebt und empfunden wurde. Märchen aber sind es keine. Die Geschichten unserer jungen Darstellerinnen und Darsteller stammen aus ihren eigenen Lebenswelten, aus ihren Erinnerungen, aus autobiografischen Romanen, aus Reportagen und Dokumentationen.

Zwei unserer jüngsten Darstellerinnen führen die Zuschauer als Moderatorinnen durch die spannende, berührende und oft auch lustige Szenencollage.

Die Geschichten

„Fußball in der Steinfabrik“

Sufi, ein kleiner Junge, flieht allein aus Afghanistan. Im Iran kommt er vorerst nicht weiter und arbeitet monatelang in einer Steinfabrik. Nach mehr als drei Jahren schafft er es endlich nach Deutschland. Hier will er sich in einem Fußballverein anmelden und erzählt der Trainerin, wo er schon gespielt hat.

„Verloren“ 

Amelie verzweifelt oft an den Anforderungen in der Schule und erwartet von sich selbst viel zu viel. Claire ist neu in der Stadt und wird von ihren Klassenkameraden gemobbt, von vermeintlichen Freunden hintergangen. Nora war 12, als sie mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland geflohen ist. Seitdem muss sie als Teenagerin extrem viel Verantwortung übernehmen. Können sich die drei 16jährigen Mädchen diesem Druck entziehen?

„Bäume mit Gesichtern“

Tayo und Alexandra, zwei gute Freunde in einem Flüchtlingsheim erinnern sich an ihre Heimat und an früher. Tayo hat Fotos, die ihm viel bedeuten. Doch andere Kinder kommen und zerreißen sie. Alexandra bringt ihren großen Bruder dazu ein Bild zu malen, so ähnlich wie eines der Fotos von Tayo. Damit schafft sie es nicht nur, die Leidenschaft fürs Malen in ihrem Bruder wieder zu beleben. Sie tröstet Tayo damit und zeigt ihm, dass er nicht allein ist.

„Gleichklang“

Fremdbestimmt, ferngesteuert, handlungsunfähig – wie Marionetten. So fühlen sich die Mädchen und Jungs, die von einer Puppenspielerin gefangen gehalten, an Fäden gefesselt und gedrillt werden. Damit nimmt sie ihnen ihre Individualität, ihre Einzigartigkeit, ihre Freiheit. Gleichschaltung ist das Prinzip um der scheinbar perfekten Harmonie willen. Schaffen es die „Puppen“ sich von ihren Fäden zu lösen?

„Zuflucht“

Es ist Enajats Erinnerung an ein Mädchen, das ihm geholfen hat, als er mit damals 10 Jahren vor der Polizei weggerannt ist. Dieses Mädchen versteckte ihn, gab ihm etwas zu Essen, saubere Kleidung und sogar Geld, ohne etwas dafür zu erwarten. Heute ist Enajat schon fast erwachsen. Trotzdem muss er sich immer wieder vor den Behörden für seine Flucht rechtfertigen. Niemals aber vergisst er dabei, von dem Mädchen zu erzählen.

„Abgehauen“

Sina ist in einem Jugendheim untergebracht, weil sie in einer Krisen-situation steckt und ihre Eltern mit ihr überfordert sind. Doch in dem Heim fühlt sie sich nicht wohl und haut einfach ab. Sie stromert ziellos durch die Stadt, bis sie Jakob und seiner Clique begegnet. Jakob versucht, mit einer Lüge Sinas Vertrauen zu gewinnen. Ob er es schafft und sie Freunde werden?

„Super Dance Kids“

Sechs kleine Mädchen, die mit ihren Familien in einer Gemeinschafts-unterkunft leben, sind oft traurig, weil sie kein richtiges Zuhause mehr haben. Dort, wo sie herkommen, ist Krieg. Aber sie haben einander und wenn sie tanzen, vergessen sie alles Schlimme auf der Welt. Sogar den strengen Security-Mann Holger bringen sie dazu, zu tanzen und für einen Augenblick mal die blöde Hausordnung zu vergessen.


Eine Produktion des STiC-er Theater e.V.

Mandy Lehm
Regie, Dokumentation, Ausstellung
Claudia Bieber
Tanz- und Theaterpädagogik
Kai P. Mücke
Theaterpädagogik
Diana Jäger
Medienpädagogik
Sarah Heine
Produktionsassistenz
Jens Eggebrecht
Gestaltung Plakat und Flyer
Steffen Klimt
Technische Leitung
Andreas „Speiche“ Schuld
Bühne
Annett Lüthke
Produktionsverwaltung
Axel Zühlsdorff
Produktionsleitung

Die DARSTELLER*INNEN

Auf der Bühne

Joelle Glatzki, Sara Almashli, Julia Handke, Wencke Abshagen, Antania Blizniuk, Katharina v. Bosse, Marlea Brakrogge, Greta Hatting, Zoe Hauzeur, Alica Kistanov, Paula Labrenz, Frida Münzner, Carlotta Musall, Juna Parczyk, Nico Pfeifer, Emily Sturmhöfel, Matz Keldan Bowitz, Claas Früchtenicht, Lia Neumann, Hermine Müller, Ruby Price, Leonie Kleinow, Stella Voß, Paula Helene David, Silvi Hovhannisyan, Milena Lalayan, Hovhannes Lalayan, Nver Sargsyan, Solomon Osei, Raman Mahmood

Im Laufe der drei Projektjahre

Sana Salim, Timo Luschnikov, Rayana Taikhaeva, Nour Halo, Lama Halo, Suhaib Halo, Fatema Ajaj, Mohammed Ajaj, Lana Ajaj, Safia Kostritza, Iljas Kostritza, Benny Woikczak, Omar Mohammad, Ben Lebich, Jessica Krüger, Sarah Charlotte Dobs, Helene Marie Puchinger, Mia Windolph, Malak Sabbagh, Pia Heuer, Sanne Knöchner, Anna Tesch, Lennis Röwer, Christina Karge, Maike Rochnia, Ole Reichstein, Kira Krocker, Dora Korcsenszka, Sina Loreen Dobbertin, Emmanuel Osei, Marten Eberhart, Tabasum Shams, Tamana Shams, James Sonntag, Oliver Bedorf, Milana Kuantova, Dinara Kuantova, Tasneem Alsawah, Yazanala Jam, Namr Aldahaer, Rami Zanzar, Zeina Alkalet, Eylül Ayoin, Sadam Aydid …


DAS PROJEKT

FÜR WEN?

Unser Projekt schließt Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Stralsund, dem Landkreis Vorpommern-Rügen, Geflüchtete und junge Menschen mit Migrationshintergrund unterschiedlichen Alters ein. Gemeinsam mit ihnen arbeitenen wir in vier heterogenen Theatergruppen in Bezug auf Herkunft, Alter und sozialen Status. Unser Wunsch war der interkulturelle Austausch, indem wir zusammen eine große Idee realisieren und dabei ganz viel Spaß haben.

WIE?

Die verschiedenen Gruppen entwickelten unter professioneller Anleitung fortlaufend Kurzgeschichten und Szenen, die in einer (Rahmen-)Inszenierung aufgeführt werden. Das Projekt wurde dazu in drei Module unterteilt. Das erste Modul umfasste den nachhaltigen Aufbau der Gruppen, die Vertrauensbildung und Förderung des Zusammenwachsens. Unter Anleitung der Regisseurin und der Theaterpädagog*innen konnten Spielfreude geweckt, Schauspieltechniken und Bühnenpräsenz vermittelt, Ausdruck und Stimme geschult werden. Das zweite Modul widmete sich der Entwicklung und dem Einstudieren der Theaterstücke selbst. Es wurde eine Inszenierungsform gewählt, die den unterschiedlichen Lebenssituationen der Teilnehmenden gerecht wird. Dies bedeutet, dass die Stücke so gestaltet wurden, dass Spieler und/oder Szenen ausgewechselt werden konnten. Auf diese Weise war es möglich, die Inszenierung permanent weiterentwickeln, trotz der zu erwartenden hohen Fluktuation und den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Im dritten Modul wurden die Gruppen zusammengeführt, die Inszenierung fertiggestellt und für die Premiere geprobt. Außerdem wurde die Dokumentation / Ausstellung des Projektes aktualisiert und abgeschlossen, die parallel den gesamten Verlauf des Projektes begleitet.


FINALE

Am 16. Juni 2022 fand die Premiere unserer Inszenierung „1001 Nacht – Erzähl mir doch keine Märchen!“in der Alten Eisengießerei in Stralsund in vollbesetztem Haus statt. Das Publikum feierte die Kinder und Jugendlichen und schenkte ihnen immer wieder Szenenapplaus und am Ende tosenden Beifall.

GASTSPIEL

Am 17. Juni konnten wir ein Gastspiel im La Grange, einer sozio-kulturellen Einrichtung in Bergen auf Rügen geben. Auch dort waren alle Plätze besetzt und am Ende gab es Standing Ovation für die stolzen und glücklichen Darsteller*innen des Projektes.

AUSSTELLUNG

Im Foyer der Alten Eisengießerei in Stralsund hatten wir die aktualisierte Ausstellung aufgebaut, so dass die Zuschauer vor der Vorstellung, in der Pause und danach Gelegenheit hatten, sich die Projektdokumentation anzuschauen und die kleinen Texte unserer Teilnehmer*innen über ihr Leben hier, ihre Erinnerungen an ihre Heimat und über ihre Träume, die sie auf Kartons geschrieben hatten, zu lesen.


FÖRDERER: